Details aus den Kirchenfenstern in Dellwig und Billmerich

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Die Bibel: Hebräerbrief 11,1)

Mit dem Glauben ist das so eine Sache. Glauben heißt in unserem Sprachgebrauch heute erstmal, dass man es nicht so genau weiß, aber man geht mal davon aus, dass… „Ich glaube morgen fängt nun endlich der Frühling an. Im Radio haben sie auch schon sowas gesagt.“ Wenn die Bibel von Glaube spricht, dann ist was ganz anderes gemeint. Denn das griechische Wort pisteuein bedeutet zunächst Vertrauen und ist damit ein Beziehungswort. Wir kennen das in unserem Sprachgebrauch noch aus sportlichen Zusammenhängen: „Ich glaube an dich, Lukas, du bist ein guter Verteidiger und mit dir wird unser Strafraum sauber bleiben!“ Der Monatsspruch für den Mai versucht den Glauben zu fassen zu kriegen. Der Schreiber des Hebräerbriefs versucht es mit einer Definition. Der Glaube ist eine feste Zuversicht dessen, was man hofft: Glaube ist also auf die Zukunft ausgerichtet. Begnügt sich aber nicht mit wagen Spekulationen, sondern vertraut auf die Hoffnung, die in unserer Seele wohnt. Religionskritiker konnten darum sagen: Glaube sei das Opium des Volkes, weil es in eine ungewisse Zukunft vertröste. Recht haben diese Kritiker, wenn sich der Glaube darauf beschränken würde und so den Mächtigen nur dabei helfen würde, die Untertanen klein zu halten ohne eine Sprengkraft für das hier und jetzt bereit zu stellen. Das weiß auch der Schreiber des Hebräerbriefes. Darum stellt er der ersten Definition noch eine zweite an die Seite: Der Glaube ist ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Hier kommen all die Seelenkräfte in den Blick, die diese Welt verändern können: Glaube, Hoffnung, Liebe, Vertrauen, Zweifel und so weiter. Hier kommt aber auch Gott selbst mit ins Spiel, denn niemand kann Gott schauen und doch lässt er sich mitten unter uns sehen. An der Person Jesu können wir nachbuchstabieren, wie Gott uns Menschen gemeint hat und in der Kraft der Liebe entdecken wir ihn schon mitten unter uns, auch wenn wir ihn nicht sehen.

Mit herzlichen Segenswünschen, Ihr Pastor Jochen Müller