Details aus den Kirchenfenstern in Dellwig und Billmerich

Liebe Leserin, lieber Leser!

Die vergangene Passions- und Osterzeit hat die Frage nach dem Sinn von Leiden und Tod gestellt  und den Horizont des Lebens über den Tod hinaus eröffnet. Nun bleibt die Aufgabe, das Gehörte und Erlebte weiterhin mit dem eigenen Leben zu verbinden. 

Der Tod ist einmalig und unwiderruflich. Und er betrifft jeden von uns. Das kann uns Angst machen und verunsichern. Angesichts des Todes reagieren Menschen ganz unterschiedlich. Das ist auch völlig in Ordnung. Jeder hat seine eigene Art mit dem Verlust geliebter Menschen umzugehen. (Im Übrigen reagieren die Jünger auf die Ankündigung des Todes Jesu auch unterschiedlich. Sie stellen Jesus zur Rede, verleugnen ihn oder laufen weg. Sie scheinen in jedem Fall überfordert zu sein und wollen es nicht hören.)
Die moderne Trauerforschung hat sich längst von einem mehr oder minder starren Phasenmodell verabschiedet. Man spricht heute eher von einem Trauerprozess, in dem es Aufs und Abs gibt. Es gibt kein richtiges Trauern, auch wenn es sicher Dinge gibt, die den meisten Menschen helfen: Weinen, über Gefühle reden, sich erinnern, beten …
Ein wichtiger Baustein beim Prozess des Trauerns ist die Trauerfeier. Traditionell gehört sie zum Kerngeschäft der Kirchen, die diese Aufgabe über Jahrhunderte hinweg übernommen und geprägt haben. Gerade hier zeigt sich über die letzten Jahre, dass es große Veränderungen gibt. Immer öfter werden Trauerfeiern in ganz kleinem Kreise gewünscht, ohne dass andere davon etwas mitbekommen. Klassische Trauerfeiern werden seltener. Immer mehr Bestatter bieten alternative Formen an, oft auch in eigenen Räumen. Wir erleben zur Zeit in Billmerich, dass die Trauerhalle stillgelegt wird in Folge einer stetig sinkenden Nachfrage. Der Tod und der Umgang mit ihm verschwinden zusehends aus dem öffentlichen Blickfeld. Er wird immer mehr an den Rand gedrängt und privatisiert.
Das macht mir ein wenig Sorge, weil das Ängste und Verunsicherungen schürt. Es bleibt immer mehr dem Einzelnen überlassen, mit dem Tod fertig zu werden. Wir sind aber auf Hilfen angewiesen, gerade weil es kein Patentrezept gibt. Eine solche Hilfe ist auch unser Glaube. Zu ihm gehört im Kern die österliche Hoffnung darauf, dass es eine Auferstehung von den Toten gibt. Diese eigentlich unglaubliche Botschaft muss unters Volk gebracht werden. Passend dazu hat es auch in diesem Jahr an Ostersonntag wieder eine Auferstehungsfeier auf dem Dellwiger Friedhof geben. Dabei gab es in einer Besprechung eine Diskussion, ob die Trauerhalle gerade zu Ostern nicht als Auferstehungshalle bezeichnet werden sollte. Warum nicht? Tod und Auferstehung gehören aufs Engste zusammen. Wer das so sieht, wird auch die Bedeutung des Friedhof neu entdecken: als Ort der Hoffnung und Verkündigung. In diesem Sinne lade ich herzlich zu dieser und vielen anderen Auferstehungsfeiern an Ostern ein.
 
Ihr Pfarrer Philipp Reis