Friedhofskultur als Immaterielles Kulturerbe

 

Der evangelische Friedhof in Dellwig steht jetzt im Zeichen des immateriellen Kulturerbes Friedhofskultur: Ein entsprechendes Schild wird in der Nähe der Trauerhalle angebracht, um so auf die wichtige Bedeutung der Friedhofskultur für unsere Gemeinde aufmerksam zu machen.

 

Bereits im März hatte die Kultusministerkonferenz auf Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommission diese Ernennung zum immateriellen Kulturerbe beschlossen. Allerdings ging die Auszeichnung im Corona-Lockdown völlig unter, weshalb man jetzt mit der Aktion »Friedhöfe auszeichnen« auch bei uns in Dellwig auf dieses vielschichtige Kulturerbe aufmerksam macht. »Es sind nicht die Friedhöfe an sich zum immateriellen Kulturerbe ernannt worden«, erklärt Pfarrerin im Probedienst Dr. Jula Well, »sondern die Friedhofskultur, also all das, was Menschen auf dem Friedhof tun.« Dazu gehöre das Trauern, Erinnern und Würdigen genauso wie das Gestalten, Pflegen und Weiterentwickeln.

 

»Der Friedhof ist vor allem auch ein Ort der Lebenden«, erläutert Jula Well weiter, »der weit über die persönlichen Trauerrituale hinaus identitätsstiftende Bedeutung für unsere Gesellschaft hat.« Hervorzuheben ist zum Beispiel die historische Dimension der Denkmäler. So sind auf dem evangelischen Friedhof in Dellwig die Gräber von vier Kindern von Ida und Friedrich von Bodelschwingh ein Anziehungspunkt für kirchengeschichtlich interessierte Besucher*innen.

 

Besonders bedeutsam ist auch die soziale Funktion des Friedhofs: Er erweist sich als Treffpunkt für Familien oder Angehörige und wirkt auch sozialer Vereinsamung von Hinterbliebenen entgegen. Nicht zuletzt zeigt sich dieser Kulturraum über kulturelle und religiöse Unterschiede hinweg als ein Ort der Integration und des Friedens. Nicht zu vergessen ist die Bedeutung der Friedhöfe für den Naturschutz, zum Beispiel auch als Ort der Biodiversität. In diesem Sinne achten die Friedhofsgärtner in der Friedhofsgestaltung auf Artenvielfalt und Insektenfreundlichkeit. In Dellwig beispielsweise werden freie Grabstellen mit Stauden bepflanzt, die Insekten Nahrung und Zuflucht bieten.

 

Grundvoraussetzung für die Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe war für die UNESCO die Lebendigkeit der kulturellen Ausdrucksform. Es gehe daher nicht um ein mumifizieren unserer Friedhöfe, erklärt Joachim Hosang, sondern um deren zeitgerechte Weiterentwicklung. So werde man auch in Zukunft Bestattungsformen anbieten, die den Wünschen der Menschen entsprechen wie z.B. naturnah gestaltete oder pflegeleichte Grabformen. Auch wird ein Teil unseres Friedhofs in einen Park umgewandelt. Am Reformationsfest am 31. Oktober findet dazu eine Baumpflanzaktion statt (siehe Artikel auf unserer Homepage).

 

Die Auszeichnung des evangelischen Friedhofs in Dellwig hat das »Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur« initiiert, das sich der Pflege und Weiterentwicklung dieses Kulturerbes verschrieben hat. Auf seiner Seite www.kulturerbe-friedhof.de finden sich umfangreiche Informationen über die Friedhofskultur in Deutschland, die Ernennung zum immateriellen Kulturerbe und deren Bedeutung für unsere Gesellschaft.