Pfarrerin Dr. Jula Well verabschiedet sich von uns.

 

Liebe Schwestern und liebe Brüder,

ich bin dankbar! Jetzt, da sich meine Zeit in der Kirchengemeinde Dellwig dem Ende naht und ich auf meinen Probedienst bei Euch zurückblicke, bin ich nicht nur traurig über den Abschied – oh ja, das bin ich! – sondern auch sehr, sehr dankbar für die Zeit, die ich bei Euch sein konnte. 

Im April 2020 begann mein Dienst in Dellwig. Nun, da ich in der Kirchengemeinde Unna gebraucht werde und die Gemeinde Dellwig daher zum 1. August verlasse, steigen viele Erinnerungen in mir auf. Erinnerungen daran, wie es war, als wir im ersten Lockdown die Kirchen für das persönliche Gebet öffneten. Ich denke daran, wie gewissenhaft das Presbyterium in langen Sondersitzungen über Schutzmaß-nahmen beriet und wie wir die WhatsApp-Gruppe „Geistliche Impul-se“ ins Leben riefen. Ich erinnere mich daran, wie wir Internet-gottesdienste drehten und versucht haben, das kirchliche Leben lebendig zu halten, wenngleich uns die Pandemie fest im Griff hatte.

Gewiss, es war keine normale Zeit. Der Alltag des Gemeindelebens lag in weiter Ferne. Dennoch war es eine gesegnete Zeit. Der Zusam-menhalt unter den Mitarbeitenden, die Rücksichtnahme, mit der wir einander begegnet sind und die Kreativität, die unser Handeln begleitet hat – diese guten Erfah-rungen lassen mich einstimmen in die Worte des 103. Psalms: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ 

Ich kann und will die Corona-Krise nicht gut reden. Die vergangenen Monate waren ein Kraftakt, der uns manches Mal an die Grenzen des Erträglichen führte. Neben all dem Schweren und Bedrückenden und neben der Trauer um die Menschen, die wir an Corona verloren haben, sehe ich aber auch den Segen Gottes. 

Ich sehe den Segen aufleuchten in den Kerzen, die in den offenen Kirchen entzündet wurden. Ich sehe den Segen aufleuchten in den Gesprächen, die wir mit Maske und viel Abstand geführt haben. Ich sehe den Segen aufleuchten in den Trauer-feiern, die im engsten Familienkreis gefeiert werden mussten und doch, trotz aller Schutzauflagen, ein gutes Abschiednehmen ermöglicht haben. 

Besonders danke ich Pfarrer Jochen Müller und Pfarrer Gisbert Biermann, die mir fantastische Kollegen waren. Ich danke dem Presbyterium Dellwig, das so wertschätzend arbeitet, dass es ein Vergnügen ist, Teil dieser Gruppe zu sein. Ich danke allen Menschen unserer Gemeinde, die mir in den vergangenen 16 Monaten mit Rat und Tat zur Seite standen. Ich habe erleben dürfen, dass wir in der Krise Abstand hielten und uns dabei doch ganz nah waren: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“  

Der Abschied von Dellwig lässt mich zurückblicken. Ja, manchmal brauchen wir besondere Anlässe um klar zu sehen, was uns trägt und wie Gottes gute Mächte uns auch durch schwere Zeiten begleitet haben. Für diesen Sommer wünsche ich Euch daher von Herzen viele Tage voller Sonnenschein und guter Begeg-nungen und auch Momente der persönlichen Rückschau, in denen nicht nur das Schwere, sondern auch der Segen Gottes zu Tage tritt. Ich wünsche Euch, einstimmen zu können in die Worte derer, die uns im Glauben vorangingen:

„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“  

Gott segne Euch! 

Eure Jula Well