Details aus den Kirchenfenstern in Dellwig und Billmerich

 

 

Suche den Frieden und jage ihm nach. 

Losung für das Jahr 2019 aus Psalm 34,15b 

Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Den Frieden jagen? Beim Frieden fallen mir erstmal andere Worte ein: Wir kennen friedliche Menschen oder auch friedliebende Menschen, das sind doch eher die Leisen, mit denen es keine Probleme gibt, manchmal auch die, die man übersieht und die sich nicht kämpferisch für ihre Position einsetzen. Am Ende des Lebens bitten wir darum, dass er oder sie in Frieden ruhen möge. Aber den Frieden jagen?

Als im letzten Jahr, dem Reformationsjubiläumsjahr, die neue Bibelübersetzung rausgekommen ist, bin ich über die Veränderung in der 7.Seligpreisung gestolpert – hieß es in der bisherigen Lutherübersetzung dort: Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen (Mt 5,9) heißt es seit 2017 an derselben Stelle: Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen und als Erklärung dazu „Luther übersetzte „die Friedfertigen“, und erklärte: „nämlich, die Frieden machen.““

Haarspalterei? Ich glaube nicht. Denn in dem Wort „Friedfertige“ klingt der unterwürfige Typ mit. Friedfertig – das verstand manch einer so, Christen müssten sich alles gefallen lassen, denn schließlich hatte Jesus doch auch was mit der einen und der anderen Backe gesagt. In der Kirche hat das zu einer gewissen Konfliktscheuheit geführt. Bloß nicht anecken. Keine lauten Töne!

2018 hat sich aber auch das Ende des 1.Weltkriegs zum 100.Mal gejährt und wir haben auch an die Schuld der Kirche erinnert, wie Pastoren den Krieg predigten und in einem Patriotismus gefangen waren. Sie konnten dem Kriegswahn nicht widerstehen. Wir haben den 80. Jahrestag der Reichsprogromnacht gedacht, von dem Dietrich Bonhoeffer schon damals schamesrot sagen konnte: „Wir können nicht gregorianisch singen, wenn wir nicht für die Juden schreien!“ Doch auch in Nazideutschland war der kirchliche Widerstand so leise, dass im Stuttgarter Schuldbekenntnis die Kirche nach dem 2. Weltkrieg zugeben musste: „Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“

Frieden scheint doch etwas zu sein, was unsere Zivilcourage erfordert. Suche Frieden und jage ihm nach: ganz aktiv sollen wir werden: Frieden stiften! Hier kann nicht mehr das Weggucken und Leisetreten gemeint sein, sondern es geht um ein bewusstes Handeln für den Frieden. Gut – den Weltfrieden werden wir kleinen Lichter nicht herbeiführen können und werden auch unseren Politikern nicht sagen können, wie sie sich besser auf der großen Bühne bewegen sollten, damit Frieden in der Welt gestiftet wird, aber wir können bei uns selbst gucken, wie wir zu Friedensstiftern werden können und wo wir dem Frieden nachjagen können. Der 1.Petrusbrief nimmt den Vers der Jahreslosung auf und beschreibt im Sinne Jesu, was zu tun sein könnte:

Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt. Denn »wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. (1.Ptr 3,9-11)

Durchbrich den Teufelskreis des Vergeltens, achte auf das, was du sagst, rede nicht über andere, sondern mit ihnen und schließlich: segne, weil Du dazu berufen bist. Suche sehr bewusst die Orte und Zeiten in deinem Leben, an denen Du Frieden stiften kannst und manchmal musst Du da auch deutliche Worte für finden können. Frieden ist kein Selbstläufer, sondern braucht aufmerksame Jäger, dass wir ihn mitten unter uns erwischen und ihn dann feiern und schützen. Denn genau das tun Jäger ja auch: hegen und pflegen!

Ich wünsche Ihnen eine friedensstiftende Adventszeit, ein friedliches Weihnachtsfest und einen gesegneten Start in ein neues Jahr, in dem es viele Friedensbotschaften in unserer kleinen und in unserer großen Welt geben möge.

Ihr Pfarrer Jochen Müller