Details aus den Kirchenfenstern in Dellwig und Billmerich

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.
(Jakobus 1,19)

Es geht darum "das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben" überhaupt noch wahrzunehmen - wie es vor 85 Jahren schon die Barmer Theologische Erklärung einfordert. Da sind so viele andere Worte und Stimmen, die auch um unsere Aufmerksamkeit werben. "Ereignisse, Mächte, Gestalten, Wahrheiten" wie es umfas-send die Bekennende Kirche in Frontstellung zur Naziideologie formuliert. Auch heute: Meinungsmache, Manipulation, Fake News, Halbwahrheiten, wissenschaftliche Fakten.Aber Hören bedarf nicht erst in Zeiten der Dauerberieselung Übung. Hören, das üben wir von Anfang an. So wie ein Kind durch das Hören auf Vater und Mutter seine Muttersprache lernt, so lernen wir als Christen durch das Hören auf das Wort Gottes unsere Muttersprache des Glaubens: "Jesus Christus ist das eine Wort Gottes" (These 1 Barmer Theologische Erklärung).Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören - trägt noch eine andere Dimension als nur die theologische in sich: es geht um das Zusammenleben der Menschen. Damit das funktioniert, ist es gut, schnell zum Hören zu sein, langsam aber zum Re-den und hoffentlich noch langsamer zum Zorn. Wie viel Streit und Miss-verstehen würden wir uns ersparen, wenn wir lernen würden, aufeinander zu hören, den anderen ausreden zu lassen und mit Interesse dem zu folgen, was ein anderer zu sagen hat? - Nein, man muss nicht immer gleicher Meinung sein, aber es ist wertvoll, den anderen gehört zu haben. Jesus sagt, das höchste Gebot ist dieses: Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Wie das geht? Erstmal hinhören! Auf Gott hören, dem anderen zuzuhören und in mich selbst hineinzuhören. Tat-sächlich es geht auch darum, auf mich selbst zu hören und das einzuüben. Mir die Zeit einzuräumen, mich selbst zu verstehen. Und bevor ich auf andere sauer werde, einmal zu überlegen, was mein eigener Anteil daran ist. Oft ist es ja so, dass ich das bei anderen besonders scharf kritisiere, was ich bei mir selbst nicht leiden kann.Die Urlaubszeit könnte eine solche Zeit des Hörens für uns werden. Hinhören: auf die leise (oder manch-mal auch laute) Stimme Gottes in meinem Leben, auf meinen Nächsten und auf mich selbst. Und dann geht die Ermahnung des Jakobus für uns noch weiter: Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein, sonst betrügt ihr euch selbst. (Jak 1,22) Wenn wir dieses eine Wort Gottes für unser Leben gehört haben, dann sollen wir unser Leben auch von diesem Jesus Christus, seiner Liebe und seiner Botschaft bestimmen las-sen. Dann darf man uns das auch anmerken, dass wir Christen sind und irgendwie anders - nämlich schnell zum Hören, langsam zum Reden und noch langsamer zum Zorn. Das wünsche ich Ihnen in unserer Gemeinde in einer Zeit rasanter Veränderung.

Ihr Pfarrer Jochen Müller