Details aus den Kirchenfenstern in Dellwig und Billmerich

Andacht zur Jahreslosung 2020 von Pastor Jochen Müller
Ich glaube; hilf meinem Unglauben! (Mk 9,24)

Die Jahreslosung 2020: Ein Ausruf aus tiefster Seele. "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" Gerufen vom Vater eines schwer kranken Kindes. Sein Hilfeschrei spiegelt meine eigene Zerrissenheit wieder: Ich glaube - oder doch nicht? Ich möchte, aber ich kann nicht. Stehe oben auf der Kletterplattform mit dem Sicherungsseil und könnte springen - aber irgendwie kann ich nicht. Trau ich mich doch nicht. Was, wenn das Seil nicht hält, zu lang ist oder ich den Fall nicht gut wegstecken kann? Die "Wenns und Abers" erschüttern meine (Selbst)Sicherheit und nehmen mir den Mut. Der Vater des kranken Kindes im Markusevangelium wendet sich an Jesus: "Wenn Du aber etwas kannst, dann erbarme dich unser und hilf uns!" Es könnt ja sein, dass doch was dran ist, ja und wenn dem so wäre, dann wäre es doch eine Möglichkeit. Wir leben (nicht nur heute) in einer Welt der 1000 Möglichkeiten und ständig können, aber müssen wir uns auch entscheiden. Der Vater will sich später nicht vorwerfen müssen, er hätte irgendetwas unversucht gelassen. Alle Möglichkeiten ausgeschöpſt. Eine Therapie jagt die nächste. Vielleicht ist ja doch was dran.Jesu Antwort überrascht: "Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt." Jesus verschiebt die Perspektive: weg vom Glauben an den fremden Wundermann, hin auf das eigene Vertrauen, das die Welt verändern wird. Du bist nicht länger ohnmächtig abhängig von irgendwelchen äußeren Mächten, sondern die verändernde Lebens-Kraſt liegt in dir selbst: Es ist dein Vertrauen. Immer wieder enden im Markusevangelium die Heilungsgeschichten mit dem Satz: "Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen, hat dich gesund gemacht." Dein Vertrauen ermöglicht dir den nächsten Schritt, hat dir die Augen geöffnet, führt dich in ein neues Leben. So einfach könnte das sein. Doch ich bin dankbar, dass der Vater jetzt unsere Jahreslosung herausschreit: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" Ich bin ja so weit: ich möchte vertrauen, doch dann schleicht sich von irgendwo das kleine "aber" ein. Ein kleiner Vorbehalt, ein leiser Zweifel, ein Funken Misstrauen und schon schwächelt mein Vertrauen. Und mir zittern die Knie. Der Vater kennt dieses schleichende ABER, und trotzdem wendet er sich im Gebet an Jesus. Vertraut darauf, dass dieser ihn schon irgendwie durch die Gitterstäbe seines ABERS hindurchkriegen wird: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!" Die einzige Möglichkeit ist es, mich ganz in die Arme Jesu fallen zu lassen. Was wir als Vertrauensübung mit den Konfis machen, sich in die Arme der Mitkonfis fallen zu lassen, ist der einzige Weg zu erfahren, ob das Vertrauen hält. Das gilt auch für unseren Glauben. Wir können nicht theoretisch vertrauen, sondern springen praktisch in ein verändertes Leben, in ein neues Jahr. Den Mut dazu können wir uns nur erbeten: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!"