Geschichte

Die Kirchengemeinde Dellwig wurde im 11. Jahrhundert gegründet von der Mutterpfarrei St. Vinzenz in Menden. Eine Kirche wurde errichtet, die dem St. Laurentius gewidmet wurde (vgl. Kirche Dellwig) . Der Gemeinde zugeordnet wurden neben dem Kirchdorf Dellwig die Dörfer Billmerich, Altendorf, Strickherdicke, Langschede und Ardey.

 

Die Reformation vollzog sind in Dellwig über einen längeren Zeitraum Ende des 16. Jahrhunderts. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen mit der Mutterpfarrei Menden. 1571 soll der Vikar Johannes Pöppinghaus als erster nach dem lutherischen Bekenntnis gepredigt haben. Zunächst stimmte auch der Mendener Pfarrer den veränderten Verhältnissen zu. Aber vor allem im Zuge der Gegenreformation kam es zu Auseinandersetzungen. Entsandte Priester wurden eingesetzt, dann aber von den Dellwigern nicht akzeptiert. Teilweise gab es katholische und evangelische Geistliche gleichzeitig in der Gemeinde. Das evangelische Bekenntnis setzte sich auf Dauer durch, so dass 1642 die Mutterkirche in Menden die Geltung des Augsburger Bekenntnisses in Dellwig angerkannte. Pro forma aber behielt noch der Mendener Pfarrer ein Bestätigungsrecht (Kollationsrecht) für den in Dellwig gewählten Geistlichen bis 1809. Damit verbunden war die Berechtigung zur Abhaltung des Sendgerichtes. Von einem 1681 verstorbenen Mendener Pfarrers wird berichtet, dass er dieses kirchliche Sittengericht mit besonderem Eifer in den lutherisch gewordenen Gemeinden ausübte. Das letzte Sendgericht fand 1721 in Dellwig statt. Neben der Pfarrstelle bestanden in Dellwig zwei Vikarien, die am 1440 gestiftete St. Johannes-Vikarie und die 1492 errichtete Vikarie St. Georg und Katharina. Es gab zwei Kapellen, die im Mittelalter errichtet wurden: St. Antonius in Billmerich und eine auf der Kluse zwischen Dellwig und Billmerich. Beide sind im 18. Jahrhundert untergegangen.

 

Ab 1750 wurden im Kirchspiel Dellwig vom Presbyterium bestimmt, dass neben der Pfarrstelle auch eine Vikariatsstelle als gleichberechtigte zweite Pfarrstelle eingerichtet wurde.
Aus der langen Reihe der Dellwiger Pfarrer ist Friedrich von Bodelschwingh besonders zu erwähnen. Er kam 1863 aus einer Pfarrstelle in Paris mit seiner Ehefrau Ida nach Dellwig. Er schätzte seine Gemeinde als eine "der besten im Lande" und er wurde sehr geschätzt als Seelsorger und Prediger des Evangeliums. Die vier Kinder des Pastorenehepaares starben im Januar 1869 an Diphterie. 1872 folgte v. Bodelschwingh dann einem Ruf nach Bethel bei Bielefeld. Dort baute er als Leiter die Diakonische Anstalt für Epilepsiekranke und Nichtsesshafte auf. Die letzten Inhaber der Pfarrstellen waren:

 

1. Pfarrstelle (Billmerich - Strickherdicke - Altendorf)

1948 - 1973 Wolfang Rauch
1974 - 1998 Otfried Bislinghoff
1999 - 2003 Hans-Jürgen Dusza
2003 - heute Jochen Müller

 

2. Pfarrstelle (Dellwig - Langschede - Ardey)

1932 - 1965 Walter Kurtz
1968 - 1978 Heiner Cordes
1980 - 1985 Volker Horstmeier
1985 - 2015 Dieter Schiewer (Ab 2016 ist die Pfarrstelle eingezogen)

 

1934 wurde in Billmerich eine Kirche neu gebaut, um den mittlerweile 1000 Gemeindemitgliedern aus Billmerich den langen Weg über die Kluse zu den Gottesdiensten in Dellwig zu ersparen. Im Vorraum der Kirche konnten sich auch Gruppen treffen, so dass sich in Billmerich ein eigenständiges Gemeindeleben im 1. Pfarrbezirk etablieren konnte. Zwar wurde 1968 durch die kommunale Gebietsreform Billmerich zu einem Teil der Stadt Unna, kirchlich gehört es aber nach wie vor zum Kirchspiel Dellwig, das seitdem zur Stadt Fröndenberg gehört.

 

1969 wurde in Dellwig das Bodelschwingh-Gemeindehaus nördlich des Friedhofs am Strickherdicker Weg errichtet mit einem benachbarten Pfarrhaus, das zuerst von der Pastorenfamilie Cordes bezogen wurde. Auch in Billmerich wurde in dieser Zeit ein Pfarrhaus an der Straße Zur Österwiese gebaut, in dem zuerst die Pastorenfamilie Rauch wohnte.  Das Dellwiger Pfarrhaus wurde 2007 im Zuge von Sparmaßnahmen in Erbpacht an Privat veräußert.

1975 wurde im großen Gemeindebezirk Ardey ein Gemeindezentrum errichtet, das eine integrative Einheit aus Gottesdienstraum und Gruppenräumen bot. Ein Förderverein hat diese Maßnahme des Gemeindeaufbaues kräftig unterstützt. Ergänzt wurde es 1992 mit dem Anbau eines Jugendhauses für die Kinder- und Jugendarbeit.

 

1984 wurde in Billmerich in unmittelbarer Nähe zur Kirche ein Gemeindehaus gebaut, das seitdem modernen und ausreichenden Raum für die Gruppenarbeit und in einem besonderen Bereich auch für die Kinder- und Jugendarbeit bietet.

In Billmerich und in Ardey wurde in den Jugendräumen eine von der öffentlichen Hand geförderte Offene Tür eingerichtet. Durch die staatliche Förderung war es möglich eine zeitlang drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen in der Kinder- und Jugendarbeit zu beschäftigen:  Ella Buresch, Britta Obst, Dagmar Nußpickel. Mittlerweile ist es noch möglich, eine Stelle in diesem Bereich aufrecht zu erhalten. Ute von der Beck arbeitet darin seit 2010.

 

2012 wurde das Gemeindezentrum Ardey mit Jugendhaus und dem gesamten Grundstück an die UKBS (Unnaer Kreis Bau- und Siedlungsgesellschaft) verkauft. Damit wurde notwendiges Sparpotenzial im Haushalt der Kirchengemeinde realisiert. Eine Initiative von Ardeyern hat sich vehement für den Erhalt des Hauses eingesetzt. Dem konnte aber nicht entsprochen werden. Das Presbyterium hatte sich entschlossen, die Gemeindearbeit auf die Gottesdienste und damit auf die Kirchen und die zugehörigen Gemeindehäuser in Dellwig und Billmerich zu konzentrieren. Die UKBS als neue Eigentümerin lässt das ehemalige Gemeindezentrum stehen, in ihm treffen sich weiterhin die Ardeyer Gemeindegruppen und dort ist ein Schwerpunkt unserer Jugendarbeit.

Im Jahr 2019 wurde eine neues Gemeindehaus direkt neben der Kirche errichtet und eingeweiht. Er erhielt den Namen FreiRaum. Das Bodelschwingh-Haus am Strickherdicker Weg steht seitdem zum Verkauf. Es war wirtschaftlich nicht zu halten wegen der für die kleiner werdende Gemeinde übermäßigen Größe. Eine anstehende umfassende Renovierung war nicht zu vertreten.

 

Das Presbyterium und die Kirchengemeinde arbeiten daran, dass es trotz eines mengenmäßigen Kleinerwerdens weiterhin ein inhaltlichen Wachstum gibt.